Zwischen Atlas, Sahara und Atlantik – unser Familienabenteuer in Marokko

Marokko individuell

Von L’Evasion Reise-Expertin Julia Schurig

Mai 2025 (03.05.-18.05.2025)

03.05.2025:

Unsere Reise nach Marokko begann mit dem Flug nach Marrakesch. Als wir spät abends ankamen, war sofort diese besondere Atmosphäre spürbar: warme Luft, fremde Gerüche und das lebendige Treiben der Stadt. Schon beim Verlassen des Flughafens hatten wir das Gefühl, in eine völlig andere Welt einzutauchen.

Am Ausgang wurden wir von unserem Fahrer Yahya empfangen. Mit seinem Evasion-Tours-Schild wartete er bereits auf uns und begrüßte uns so herzlich, dass wir uns direkt wohlgefühlt haben. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass er uns die gesamte Reise über begleiten würde – und am Ende viel mehr sein würde als nur unser Fahrer.

Gemeinsam fuhren wir durch das nächtliche Marrakesch zu unserem ersten Riad, dem Riad Nesma Suites & SPA. Während draußen noch das Leben der Stadt vorbeizog, kam bei uns langsam das Gefühl an: Jetzt hat das Abenteuer wirklich begonnen.

Marrakesch – ein erstes Eintauchen in 1001 Nacht

04.05.2025:

Nach einem ersten marokkanischen Frühstück entdecken wir Marrakesch bei einer geführten Stadtbesichtigung. Für uns als Familie ist es besonders eindrücklich, gemeinsam durch die verwinkelten Gassen zu laufen und diese lebendige, manchmal überwältigende Stadt Schritt für Schritt auf uns wirken zu lassen.

Wir besuchen die beeindruckende Koutoubia-Moschee, die historische Koranschule Medersa Ben Youssef, den ruhigen Jardin Secret und den prachtvollen Bahia-Palast. Jede dieser Stationen zeigt eine andere Facette der Stadt – mal ruhig und kunstvoll, mal voller Geschichte und beeindruckender Detailtiefe.

Für unsere Tochter Karoline ist der Besuch des Djemaa el-Fna ein echtes Highlight. Der Platz ist ein einziges Schauspiel aus Musik, Gauklern, Farben und Gerüchen, und sie steht staunend da und versucht alles gleichzeitig aufzunehmen. Am Nachmittag gehört uns die Stadt dann ganz allein. Wir lassen die vielen Eindrücke wirken, schlendern noch einmal durch die Souks und genießen Marrakesch in unserem eigenen Tempo – bis hin zu einer Garküche am Abend, wo wir den Tag ganz bodenständig ausklingen lassen.

05.05.2025: Marrakesch- Ourika Tal- Anima Garden:An diesem Tag führt uns ein Ausflug in das wunderschöne Ourika-Tal im Atlasgebirge. Schon nach kurzer Zeit verändert sich die Landschaft deutlich: Die pulsierende Stadt bleibt zurück und weicht einer grünen, ruhigen und beeindruckend weiten Bergwelt.

Das Tal selbst wirkt fast wie eine andere Welt. Entlang des Flusses ziehen sich kleine Wege, begleitet von zahlreichen kleinen Restaurants, die direkt am Wasser liegen und deren typische Sitzbereiche mit Teppichen ausgelegt sind. So entsteht eine sehr besondere, entspannte Atmosphäre mitten in der Natur. Überall spürt man die Nähe zum Alltag der Menschen vor Ort und gleichzeitig die beeindruckende Landschaft des Tals. Wir werden von einem einheimischen Guide begleitet, der uns zu den Wasserfällen führt und uns Wege zeigt, die wir allein vermutlich nie gegangen wären. Gerade diese etwas abseits gelegenen Pfade abseits der Touristenströme machen den Ausflug besonders – ohne ihn hätten wir vieles so nicht entdeckt oder erlebt.

Unterwegs stärken wir uns in einem der kleinen Restaurants direkt am Fluss. Serviert werden klassische marokkanische Gerichte wie Tajine und Couscous, dazu ein frischer marokkanischer Salat – einfach, authentisch und genau passend zur Umgebung. Währenddessen beobachten wir Berberaffen, die geduldig darauf warten, dass die Gäste den Platz verlassen und Reste zurücklassen – ein überraschend lebendiges Schauspiel direkt neben dem Tisch.

Auf dem Rückweg nach Marrakesch besuchen wir noch den Anima-Garten von André Heller. Dieser Ort ist ein ganz besonderer Kontrast zur restlichen Reise: eine farbenfrohe, kunstvoll gestaltete Oase aus Skulpturen, Pflanzen und versteckten Kunstwerken. Zwischen üppigem Grün, starken Farben und immer wieder überraschenden Perspektiven entsteht eine fast magische Atmosphäre. Es ist ein ruhiger, inspirierender Abschluss dieses Tages, der uns noch einmal bewusst macht, wie vielfältig diese Region ist – von ursprünglicher Berglandschaft bis hin zu kunstvoll gestalteter Gartenwelt.

Vom Trubel der Stadt in die Stille der Berge: Marrakesch-Ouzoud- Atlasgebirge mit R’bat

06.05.2025
Wir verlassen Marrakesch gemeinsam mit Yahya in Richtung Atlasgebirge. Von diesem Moment an wird er weit mehr als nur unser Fahrer. Mit seiner Herzlichkeit, seinem Humor und seinem großen Wissen über Land und Leute begleitet er uns durch die kommenden Tage. Für Karoline wird er schnell zu einer Art großem Bruder – geduldig, spielerisch, immer mit einem Lächeln und dem passenden kleinen Scherz zur richtigen Zeit.

Wir lassen das quirlige Marrakesch hinter uns und fahren in Richtung Ouzoud Wasserfälle. Schon unterwegs verändert sich die Landschaft spürbar: Vorbei an weiten Olivenhainen und kleinen Dörfern öffnet sich nach und nach eine beeindruckende Kulisse aus Natur und Weite. Immer wieder genießen wir den Blick auf die Berberdörfer, die sich in die Hänge des Mittleren Atlas schmiegen – ruhig, zeitlos und wunderschön gelegen.

Die Wasserfälle selbst sind an diesem Tag gut besucht, da gerade noch Ferientage waren. Über viele Treppen steigen wir hinab bis zum Wasser und erleben die beeindruckende Kraft der Fälle aus nächster Nähe. Auf dem Rückweg werden wir zusätzlich belohnt: Berberaffen tauchen entlang des Weges auf, darunter auch kleine Babys, die sich eng an ihre Mütter klammern – ein überraschender und sehr besonderer Moment, der vor allem Karoline begeistert hat.

Nach einem Mittagessen werden wir wieder von Yahya abgeholt und setzen unsere Reise fort. Es geht weiter über den Tizi N’Oughbar, wo sich uns ein eindrucksvoller Panoramablick auf die Gipfel der M’Goun-Bergkette eröffnet, die dieses mythische Tal umgeben.

Anschließend beginnt der Abstieg ins Tal von Aït Abbas – vorbei an Berberdörfern, die sich förmlich an die Berghänge klammern, und durch Landschaften aus Aleppo-Kiefern, Wacholder und grünen Eichen. Die Natur wirkt hier noch ursprünglicher, rauer und gleichzeitig unglaublich friedlich.

Am Ende des Tages erreichen wir schließlich das berühmte Tal von Aït Bouguemez – eingebettet zwischen Bergen, ruhig und beeindruckend schön gelegen.

07.05.2025
An diesem Tag verbringen wir einen sehr intensiven Tag im Tal der Berber. Gemeinsam mit Aziz, einem Mitarbeiter der Lodge, unternehmen wir eine kleine Wanderung entlang des Tals und tauchen dabei tief in die ruhige, ursprüngliche Landschaft ein. Begleitet werden wir von einem Esel, der für Karoline schnell zu einem besonderen Erlebnis wird – immer dann, wenn die Strecke zu anstrengend wird oder die Motivation nachlässt, darf sie ein Stück auf seinem Rücken mitreiten.

Die Wanderung führt uns vorbei an Feldern, kleinen Wegen und weiten Ausblicken auf das Tal und gibt uns viel Zeit, die Umgebung in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Es ist ein einfacher, sehr natürlicher Tag, ohne Programm und ohne Ablenkung, der gerade dadurch besonders intensiv wird. Für uns als Familie bleibt diese gemeinsame Wanderung als einer der ruhigsten und gleichzeitig schönsten Momente der gesamten Reise in Erinnerung.

Über den Hohen Atlas in Richtung Sahara – ein unvergessliches Erlebnis

08.05.2025
Die Reise führte uns an diesem Tag über den spektakulären Ait Ahmed Pass weiter in den Süden. Es ist ein langer Fahrtag mit vielen Serpentinen, der uns durch ständig wechselnde Landschaften führt – von grünen Tälern bis hin zu kargen, eindrucksvoll zerklüfteten Bergwelten. Immer wieder halten wir an, um die Weite und Ruhe der Natur auf uns wirken zu lassen. Einen Abstecher machen wir zusätzlich durch das Dadès-Tal. Erst am späteren Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft, geprägt von vielen intensiven Eindrücken dieses langen, landschaftlich außergewöhnlichen Tages.

09.05.2025:
Es geht weiter in Richtung Merzouga, an den Rand der Sahara. Ursprünglich war der Ablauf für den Folgetag in der Wüste geplant, jedoch wird die Route kurzfristig angepasst, da für den 10.05. starker Wind angekündigt ist. Diese Entscheidung erweist sich im Nachhinein als sehr wertvoll für den gesamten Verlauf.

In Merzouga angekommen, machen wir Halt in unserer Unterkunft für den Aufenthalt nach dem Wüstencamp und gönnen uns eine kurze Pause am Pool, um die vielen Eindrücke der letzten Tage sacken zu lassen. Am späten Nachmittag holt uns Yahya ab und bringt uns zu den Dünen. Dort warten bereits die Dromedare auf uns für den Ritt in Richtung Wüstencamp.

Der Abend in der Wüste ist außergewöhnlich ruhig und klar – der Wind ist zu diesem Zeitpunkt noch schwach, sodass wir die Weite der Dünen in voller Stille erleben können. Der Sonnenuntergang in dieser Landschaft gehört zu den eindrucksvollsten Momenten der gesamten Reise. Nach dem Abendessen im Camp sitzen wir gemeinsam am Lagerfeuer und lauschen traditioneller Gnaoua-Musik unter freiem Himmel. Diese Kombination aus Einfachheit, Komfort und Atmosphäre mitten in der Wüste ist etwas ganz Besonderes.

Am nächsten Tag zeigt sich dann, warum die Umplanung richtig war: starker Wind zieht über die Dünen und bestätigt im Nachhinein die Entscheidung, den Wüstenaufenthalt vorzuverlegen.

10.05.2025:
Am frühen Morgenwerden wir bereits vom Geräusch des starken Windes geweckt, der über die Dünen zieht und die Nacht deutlich spürbar begleitet hat. Nach dem Frühstück werden wir mit einem Geländewagen abgeholt und zurück zu unserer Unterkunft gebracht, in der wir die kommende Nacht verbringen.

Es ist noch früh am Tag, sodass wir zunächst etwas Zeit am Pool verbringen und auf Yahya warten, der uns wie immer zuverlässig abholt. Gemeinsam fahren wir anschließend zum Dar Gnaoua, einem lokalen Musikhaus in der Region. Dort erleben wir eine sehr musikalische Darbietung der traditionellen Gnaoua-Musik, die in dieser Umgebung eine ganz besondere Wirkung entfaltet.

Im Anschluss geht es zum Mittagessen in ein lokales Restaurant, wo wir die typische Berber-Pizza „Madfouna“ probieren – einfach, regional und sehr schmackhaft.

Am Nachmittag besteht noch einmal der Wunsch, zu den Dünen zurückzukehren, um die Wüste ein letztes Mal intensiver zu erleben. Doch der Wind hat inzwischen deutlich zugenommen. Die Sandböen sind so stark, dass selbst die Tücher, die als Schutz dienen sollen, kaum Halt finden – eher fühlt es sich wie ein natürliches „Peeling“ an als wie ein angenehmer Aufenthalt. Nach kurzer Zeit entscheiden wir daher gemeinsam, den Wüstenaufenthalt an diesem Tag zu beenden und in die Unterkunft zurückzukehren.

Dort verbringen wir den restlichen Nachmittag und Abend ruhig in unserer großzügigen Suite und lassen die intensiven Eindrücke der vergangenen Tage in Ruhe nachwirken.

Zurück durch Täler, Oasen und Kasbahs

11.05.2025:
Wir setzen unsere Reise fort und erleben erneut die beeindruckende Vielfalt der Landschaften, die dieses Land so besonders machen. Die Strecke führt uns durch wechselnde Szenerien aus weiten Ebenen, fruchtbaren Oasen und kleinen, traditionellen Dörfern, die sich immer wieder überraschend zwischen Palmenhainen und Felsformationen zeigen. Besonders eindrucksvoll ist die Durchfahrt durch das Todra-Tal mit seiner imposanten Umgebung, bevor wir weiter in Richtung Skoura reisen. Unterwegs begleitet uns immer wieder das Gefühl, durch eine Landschaft zu fahren, die sich ständig verändert und dennoch in sich vollkommen harmonisch wirkt.

Ein sehr schöner und persönlicher Moment dieses Tages entsteht in unserer Unterkunft, wo Karoline die Tochter der Gastgeberfamilie kennenlernt. Auch ohne gemeinsame Sprache finden die beiden Kinder sofort einen Zugang zueinander – mit Gesten, Lachen und kleinen Spielideen. Für Karoline ist es ein echtes Highlight, endlich wieder eine Spielkameradin zu haben, und für uns ein berührender Einblick in die unkomplizierte Offenheit von Kindern, die Grenzen spielerisch überwinden.

12.05.2025:

Es steht ein kulturell besonders eindrücklicher Tag auf dem Programm. Zunächst besuchen wir die Atlas Filmstudios in Ouarzazate, eines der größten Filmstudios der Welt und Drehort zahlreicher internationaler Produktionen. Zwischen monumentalen Kulissen aus verschiedensten Filmwelten entsteht ein faszinierender Eindruck davon, wie hier ganze Städte, Epochen und Kontinente künstlich erschaffen werden. Es ist spannend, durch diese Kulissen zu gehen, die man aus Filmen kennt, und gleichzeitig zu sehen, wie still und verlassen sie abseits der Dreharbeiten wirken.

Im Anschluss fahren wir zur Kasbah Ait Ben Haddou, einem der eindrucksvollsten Orte der gesamten Reise und UNESCO-Weltkulturerbe. Die lehmfarbenen, eng verschachtelten Gebäude schmiegen sich an den Hügel und wirken wie aus einer anderen Zeit. Beim Aufstieg durch die Gassen eröffnet sich immer wieder ein neuer Blick auf die umliegende Landschaft und die jahrhundertealte Architektur, die bis heute erstaunlich gut erhalten ist. Es ist leicht zu verstehen, warum dieser Ort so häufig als Filmkulisse gewählt wurde – er besitzt eine ganz eigene, zeitlose Atmosphäre.

Am Abend erreichen wir schließlich die Kasbah Ait Ben Damiette, wo wir übernachten und den Tag ruhig ausklingen lassen.

13.05.2025:
Heute führt uns die Route weiter in Richtung Taroudant. Die Fahrt ist lang, aber durchgehend beeindruckend. Immer wieder wechseln sich weite Landschaften mit fruchtbaren Tälern ab, und unterwegs entdecken wir auch die berühmten Ziegen, die in den Arganbäumen klettern – ein fast surreal wirkendes Bild, das man so schnell nicht vergisst. Die Strecke vermittelt noch einmal sehr intensiv die Weite und Vielfalt des Landes.

In Taroudant angekommen beziehen wir unsere Kasbah und gönnen Karoline zunächst eine kurze Erfrischung im Pool. Anschließend bringt uns Yahya in die Altstadt, wo wir gemeinsam durch die lebendigen Souks schlendern. Die Atmosphäre dort ist intensiv und authentisch: Händler bieten Obst, Gemüse, Gewürze und kunsthandwerkliche Produkte an, während sich enge Gassen voller Leben und Farben vor uns öffnen. Für uns ist dieser Spaziergang ein schöner Kontrast zu den ruhigeren Landschaftstagen zuvor.

Am Abend entscheiden wir uns, mit einem Taxi zurück zur Unterkunft zu fahren, um Yahya bewusst seinen Feierabend zu lassen.

Atlantikküste – Ruhe und Weite

14.05.2025:
Wir verlassen nach den eindrucksvollen Tagen im Landesinneren die Region um Taroudant und machen uns auf den Weg in Richtung Atlantik. Die Fahrt führt uns zunächst durch das fruchtbare Souss-Tal, vorbei an weiten landwirtschaftlich geprägten Flächen, kleinen Ortschaften und immer wieder beeindruckenden Landschaftswechseln. Besonders charakteristisch für diesen Abschnitt sind die Arganbaumregionen, in denen wir unterwegs sogar erneut die berühmten Ziegen beobachten, die geschickt in den Bäumen stehen – ein Bild, das inzwischen fast schon zu einem wiederkehrenden Symbol unserer Reise geworden ist.

Je näher wir der Küste kommen, desto spürbarer verändert sich die Luft, das Licht und die gesamte Atmosphäre. In Taghazout legen wir einen ersten Halt ein und sehen zum ersten Mal nach den Tagen im Inland das offene Meer. Der Atlantik zeigt sich kraftvoll, mit spürbarem Wind und hoher Brandung – ein deutlicher Kontrast zu den stillen Berg- und Wüstenlandschaften der vorherigen Tage. Nach einer Pause setzen wir die Fahrt fort entlang der Küstenstraße in Richtung Tafedna, einem kleinen, abgelegenen Küstenort, der sich in einer geschützten Bucht befindet.

Die Ankunft in Tafedna wirkt fast wie ein Ankommen in einer anderen Welt. Die Abgeschiedenheit, die Ruhe und die unmittelbare Nähe zum Meer schaffen eine sehr besondere Atmosphäre. Unsere Unterkunft liegt nur unweit der Küste, und die kommenden Tage verlaufen bewusst entschleunigt.

15.05.-17.05.2025:

An diesen Tagen erleben wir hier eine sehr ruhige und erholsame Zeit. Der Tagesrhythmus richtet sich nach Meer, Wetter und Stimmung. Wir verbringen viel Zeit im Freien, erfrischen uns im Pool und unternehmen ausgedehnte Spaziergänge am Strand, bei denen oft kaum andere Menschen zu sehen sind. Die Weite des Atlantiks, das Rauschen der Wellen und der stetige Wind prägen diese Tage intensiv.

Ein besonderer Spaziergang führt uns auch in den kleinen Ort Tafedna selbst, ein ursprüngliches Fischerörtchen mit wenigen Häusern, einem sehr authentischen Alltag und einer fast zeitlosen Ruhe. In einem der kleinen lokalen Restaurants essen wir fangfrischen Fisch, der direkt auf Bestellung vom benachbarten Fischer geholt wird. Der Fisch wird noch vor dem Restaurant vorbereitet und ausgenommen – eine sehr unmittelbare und unverfälschte Form der Küche, die wir als besonders eindrücklich erleben. Gleichzeitig sind es genau diese einfachen, echten Momente, die den Ort so besonders machen.

Auffällig ist auch die große Anzahl an Hunden im Dorf, die sich frei bewegen und Teil des Alltags sind. Eine kleine Begegnung bleibt dabei besonders in Erinnerung: Auf einem längeren Rückweg zur Unterkunft, den wir diesmal bewusst nicht am Strand entlang, sondern über den Fahrweg zurücklegen, begleitet uns ein humpelnder Hund. Er läuft langsam neben uns her, bleibt immer wieder stehen und folgt uns dennoch weiter. Karoline ist davon sehr berührt und macht sich große Sorgen um ihn – ein Moment, der emotional stark nachwirkt und sich tief einprägt.

Auch persönlich bleibt Tafedna für Karoline eng mit dieser Reise verbunden. Während unseres Aufenthalts verliert sie hier ihren ersten Zahn – ein kleines, aber für sie sehr bedeutendes Ereignis, das diesen Ort auf eine ganz eigene Weise in Erinnerung verankert. Ebenso erhalten wir in dieser Zeit die Zusage für die von ihr gewünschte Grundschule, was für uns als Familie ebenfalls ein besonderer Moment ist und diesem Abschnitt der Reise eine zusätzliche, sehr persönliche Bedeutung gibt.

So werden die Tage an der Atlantikküste zu einer Phase der Ruhe, der Entschleunigung und der leisen, aber sehr intensiven Eindrücke – ein bewusstes Innehalten nach einer ereignisreichen Reise durch das Landesinnere.

Essaouira – die weiße Perle

17.05.2025:
Wir erreichten Essaouira – und schon die Ankunft hatte etwas Besonderes. Diese Küstenstadt hat sofort einen ganz eigenen Rhythmus: ruhig, entspannt und gleichzeitig voller Leben. Die Mischung aus Hafen, Medina und dieser kreativen, fast schon lässigen Atmosphäre macht Essaouira wirklich einzigartig.

Wir waren an diesem Morgen früh in Tafedna gestartet, bewusst, um uns genügend Zeit für diesen letzten Stopp zu nehmen. Als wir an den Toren der Medina ankamen, haben wir unser Gepäck zur nahegelegenen Riad gebracht und dort abgegeben – und dann ging es direkt los, ohne Plan, einfach hinein ins Leben der Stadt.

Die Medina hat uns sofort in ihren Bann gezogen. Diese engen, verwinkelten Gassen, die weiß-blauen Häuser, kleine Werkstätten und Läden – alles wirkt lebendig, aber nie hektisch. Und überall Katzen. Nicht nur auf den Straßen oder Treppen, sondern auch ganz selbstverständlich in den kleinen Läden, zwischen Waren, auf Stühlen oder einfach schlafend in einer Ecke. Es war, als wären sie fester Teil des Alltags und der Atmosphäre dieser Stadt. Für unsere Tochter war das ein echtes Highlight – sie hat sie überall entdeckt und war jedes Mal aufs Neue begeistert.

Wir sind einfach durch die Gassen geschlendert, haben uns treiben lassen, ohne Zeitdruck, ohne Ziel. Genau dieses Verlaufen dürfen hat Essaouira so besonders gemacht.

Ein weiterer Moment, der uns sehr beeindruckt hat, war der Fischerhafen. Das ganze Treiben dort – die Fischer, die Boote, das Rufen, Verhandeln, Entladen – war laut, roh und gleichzeitig unglaublich authentisch. Man bekommt dort einen echten Eindruck vom Alltag der Stadt, unverfälscht und direkt.

Zwischendurch haben wir immer wieder kleine Pausen gemacht, einfach gesessen, geschaut und die Atmosphäre wirken lassen. Natürlich durften auch letzte Souvenirs nicht fehlen: kleine Erinnerungsstücke, aber auch Gewürze für uns selbst sowie als Mitbringsel für Freunde und Familie.

18.05.2025:

Nun hieß es langsam Abschied nehmen. Nach einem ruhigen Frühstück sind wir gemeinsam mit Yahya aufgebrochen und zurück nach Marrakesch gefahren. Schon auf der Fahrt spürte man den Wechsel deutlich – je näher wir der Stadt kamen, desto dichter wurde der Verkehr, desto lauter und hektischer alles.

In Marrakesch kam dann der Moment des Abschieds von Yahya. Ein Moment, der uns wirklich nahe gegangen ist. Er war während der gesamten Reise viel mehr als nur unser Fahrer – ruhig, aufmerksam, zuverlässig und mit viel Herz hat er uns durch Marokko begleitet. Der Abschied fiel uns ehrlich gesagt schwer.

Von Marrakesch aus ging es dann mit Discover Airlines zurück nach Frankfurt und weiter nach Dresden – mit vielen Eindrücken im Gepäck, die noch lange bleiben werden.

Was bleibt

Diese Reise war für uns als kleine Familie eine besonders intensive und eindrückliche Erfahrung durch Marokko. Über viele Tage hinweg führte uns die Route von Marrakesch mit seiner lebendigen, orientalischen Atmosphäre über das Atlasgebirge mit seinen dramatischen Landschaften, durch abgelegene Täler und authentische Berberdörfer bis hin zur endlosen Weite der Sahara und schließlich an die Atlantikküste mit ihren ruhigen, ursprünglichen Küstenabschnitten.

Was diese Reise für uns so besonders gemacht hat, war nicht nur die Vielfalt der Landschaften und Orte, sondern vor allem die Art und Weise, wie wir sie als Familie erleben konnten: im eigenen Tempo, mit Raum für Spontanität, mit vielen Begegnungen unterwegs und immer wieder Momenten des Staunens – besonders auch aus den Augen unserer Tochter die mit großer Offenheit und Neugier jede neue Umgebung aufgenommen hat.

Begleitet wurden wir dabei durchgehend von unserem Fahrer Yahya, der uns bis zu unserer Abreise treu zur Seite stand. Aus einer reinen Reisebegleitung wurde im Laufe der Tage eine vertraute Verbindung – geprägt von Herzlichkeit, Humor und viel Wissen über Land und Leute. Gerade für Karoline wurde er schnell zu einer sehr wichtigen Bezugsperson unterwegs.

Diese Reise ist uns bis heute in sehr lebhafter Erinnerung geblieben – nicht nur als klassische Rundreise, sondern als gemeinsames Familienerlebnis, das uns Marokko auf eine sehr persönliche und authentische Weise nähergebracht hat.

Wir hoffen sehr, irgendwann noch einmal die Gelegenheit zu haben, gemeinsam nach Marokko zurückzukehren und weitere spannende Orte dieses faszinierenden Landes zu entdecken. Denn eines ist für uns nach dieser Reise ganz klar geworden: Marokko hat noch unglaublich viele Geschichten, Landschaften und Begegnungen zu bieten.

Bis dahin danke fürs Lesen und vielleicht bis bald.

Eure Julia, mit Karoline und Jan (https://jan-windisch.com)


Individuelle Marokko Reisen mit L’Evasion Tours